Freitag, 17. November 2017

Die Geschichte der Wälder VI

Die Flammen reichten bis zum Himmel.
Schreie, Goblins, herumrennende Zwerge.
Es war ein Chaos.
Sverrir sah vom großen Felsen aus zu.
Noch nie waren Goblins in die Berge gekommen. Zumindest nicht, seit die alten Zwergenreiche gefallen waren.. Und dann überfielen sie auch noch sein Dorf.
Er lehnte sich auf seinen Hammer und blickte auf die brennenden Ruinen.
Vielleicht lag es daran, dass er in einem der wenigen Zwergendörfer lebte, die überirdisch gebaut wurden.
Gerade warf ein größerer Goblin einen Zwerg um und stach ihm seine schmutzige Klinge in den Rücken.
Aber eigentlich waren Zwerge auch nicht an ein Dorf gebunden, anders als die Menschen. Er würde sich einfach eine der Minen im Westen suchen und da bleiben.
Als er sich umdrehen wollte, zischte ein kantiger Goblinpfeil an seinem Gesicht vorbei und prallte an dem Felsen hinter ihm ab.
Sverrir zog seinen Kopf ein und drehte sich vorsichtig um.
Gerade noch rechtzeitig konnte er einem gestohlenen Zwergenschwert ausweichen und schlug den Goblin mit seinem Hammer weg.
Was für eine Verschwendung“ sagte er halblaut zu sich selbst. „So ein schönes Schwert, und dann noch von einem Meister.“ Er blickte auf die Gravur im Griff. Zwar kannte er die Initialen nicht, aber der Kreis mit den vier Ästen war unverwechselbar das Symbol der Schmiede der alten Reiche.
Er warf die Klinge weg und ging auf einem Pfad am Bergrand ungefähr in Richtung Beihar.
Während er wanderte, konnte er hin und wieder Goblins unter sich erblicken, die ein paar einsame Zwerge überfielen.
Nach einigen Stunden, gerade als die Sonne über den Gipfeln aufging, kam er an ein in Stein gehauenes Tor, etwas größer als er selber.
Er laß die Schrift auf dem Torbogen und als er in den alten Runen nichts sinnvolles stand, schlug er mit seinem Hammer auf den Kreis in der Mitte der Türen.
Zuerst hörte er nur den Hall, hundertfach verstärkt und viel dumpfer, hinter dem Steintor, doch nach ein paar Minuten öffnete sich die Tür langsam und er konnte einen kleinen Zwerg sehen.
Was willst du?“ Fragte er mürrisch in einem Dialekt, den Sverrir noch nie gehört hatte.
Ich brauche nur einen Platz zum Ausruhen, ich will bloß durchreisen.“
Dann geh dahin, woher du kommst, wir haben keine Platz mehr für Fremde.“ Er wollte die Tür schließen, doch Sverrir steckte seinen Hammer dazwischen.
Mein Dorf wurde von Goblins überfallen, und ich will wirklich nicht lange hier bleiben.“
Der kleine Zwerg überlegte einige Sekunden, dann streckte er eine Hand aus. Sverrir legte einige Platinmünzen hinein und der Andere öffnete ihm den Eingang.
Einfach durch die Halle durch, die meisten Gasthäuser sind auf der anderen Seite.“
Vorbei an riesigen steinernen Säulen ging Sverrir auf ein großes Steinhaus zu, dass vom Boden zur Decke vielleicht hundert Zwerge hoch war.
In einigen Fenstern konnte er Licht sehen, was ein starker Kontrast zur sonst ziemlich düsteren Halle war.
Am hohen Eingangsportal blieb er kurz stehen und sah sich die merkwürdige Umgebung an. Selbst für eine Zwergenmine war sie relativ klein und die große Entfernung zwischen den Steinhäusern hatte er noch nie gesehen. Er dachte an den Dialekt des Torwärters. Wahrscheinlich Zwerge aus dem Süden, die mit der Zerstörung der östlichen Südlande geflohen waren.
Er betrat das Haus und wurde von einem Menschen begrüßt, der ihm sofort ein Zimmer anbot. Dankend nahm Sverrir an und bestellte sich nebenbei auch ein Bier. Und auch noch Essen, was auch immer grade da war.
Er setzte sich auf die Bank und dachte über das nach, was passiert war. Es gab wohl kein anderes Volk in der Welt, dass sich so wenig um Mitbewohner kümmerte wie die Zwerge. Es war ihm egal. Sie waren schon immer so und würden auch immer so bleiben.
Wahrscheinlich war das der Grund dafür, dass es keine Zwergenreiche mehr gab.
Er dachte noch einige Minuten so nach, bis er sein Bier ausgetrunken hatte und auf sein Zimmer ging.
Das Steinbett war primitiv, aber es reichte ihm und er schlief ein.
Ansgar Jörg, 17.11.2017
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