Sonntag, 3. September 2017

Die Geschichte der Wälder

„Also wirst du es machen“, sagte Breon langsam.

„Natürlich. Ich habe es schon lange geplant.“, sagte Brogha begeistert, „Dann werden diese Hinterwäldler endlich mal was zu sehen bekommen. Das wird ein Spaß!“

„Und danach? Du bist 80. Vielleicht solltest du darüber nachdenken, auch den anderen mal eine Rolle zukommen zu lassen. Sonst fällt das hier alles mit deinem Tod zusammen.“ Er sah auf das Dorf herab. „Du bist der einzige, der noch Verbindungen zu den Städten hat. Unter Jemo würde die Erinnerung hieran in wenigen Jahren verblassen, bis selbst die Händler nicht mehr kommen. Und du weißt, was dann passiert.“

„Ach Breon. Du siehst das zu übertrieben. Wenigstens eine Generation wird noch herkommen. Und solange kann Jemo sich einarbeiten.“

„Du weißt genau, dass er das nicht tun wird. Außerdem kommen sowieso schon immer weniger Leute in die Südlande. Ohne politische Verbindung zu den Städten werden sie absterben. Ich flehe dich an: Tu etwas, sonst werden die Anderen kommen und das bedeutet das Ende für diese Siedlungen.“

„Ja, vielleicht hast du recht. Vielleicht sollte ich Jemo unterrichten. Aber ich weiß nicht einmal, ob er das alles überhaupt verstehen, geschweige denn nutzen, wird. Es gibt so vieles, was schiefgehen kann. Lass mich ein wenig darüber nachdenken. Außerdem gibt es jetzt wichtigeres.“

Und mit diesen Worten versanken sie in Schweigen und blickten nachdenklich, hin und wieder an ihren Pfeifen ziehend, auf das kleine Dorf.

Lichter gingen aus und mit der Zeit versank alles im Dunkeln. Wortlos standen sie auf und gingen, jeder für sich. Brogha wanderte auf seine Hütte zu, Breon auf seinen Wagen.



„Noch einen!“, rief Tevi, „Nein warte, zwei!“ Er lachte.

Die Kellnerin lächelte und ging zum Tresen.

„Wie auch immer. Wo warn wa?“, fragte er.

„Ich glaube bei den Goblins des Ostens. Dabei, wie sie unsereins fangen und fressen!“, erwiderte Jemo.

„Ach ja! Was meinta, trinken sie das Blut aus Bechern oder direkt aus den Körpern?“ Er war offensichtlich betrunken.

„Wahrscheinlich direkt aus dem Körper, ich meine, sie haben ja auch sonst nichts zilivi… nein. Lizivisier… Nein, auch nicht, ich meine Zi-Si-Li-Viertes! Genau!“, Arro lachte, „Woher sollten sie denn die Becher haben?“

Ein Mann kam auf die Gruppe zu. „Wie ihr da über die Goblins redet, sag ich euch, dass ihr das lassen solltet. Die sind kein Spaß.“ Er legte seine Hand auf den Knauf des Schwertes an seinem Gürtel.

„Und was wolln sie denn bitte? Mischn sie sich nicht in anderer Leute Gespräche ein, und außerdem, was qualiwisiert sie denn bidde zu sagen, was Goblins sind und was nicht?“, Tevi bereitete sich offensichtlich auf eine Rede vor, aber der Mann unterbrach ihn. „Mich qualifiziert Erfahrung. Glaubt mir, ihr wollt nicht in die Nähe eines Goblins kommen.“

„Wie denn auch? Seit mehr als 150 Jahren gab es hier keine Begegnung mehr, wir sind sicher, seht ihr das nicht?“ Er hob seine Hände und zeigte um sich. „Seht ihr hier irgendwelche Goblins? Nein. Also. Geht weg und kümmert euch um euer eigenes Zeug.“
„Na dann, viel Spaß noch. Aber ich sage euch, die Goblins werden mehr. Sie versammeln sich. Aber wir sprechen uns dann später wieder, wenn ihr von einem Goblin ausgeweidet werdet.“ Mit diesen Worten wandte er sich um und ging auf einen Tisch in der Ecke zu. Er bestellte sich einen Krug Bier und schien sich nur noch auf diesen zu konzentrieren, doch hin und wieder sah Jemo, wie der Mann zu ihnen blickte. Mit einem Schauer auf dem Rücken wand er sich wieder den anderen zu und kurz darauf waren sie wieder in ihrem Gespräch über Goblins und die Ostlande und die Mittelwälder vertieft.
Ansgar Jörg, 01.09.2017
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