Freitag, 2. Dezember 2016

Aliens Vs. Cowboys #3


Rietsham ist eine kleine Stadt. Zumindest im Vergleich zu den Städten auf anderen Planeten.
Rund 20 Millionen Einwohner, davon 12 Millionen Mexikaner. Der Bürgerkrieg ist noch nicht hier her gekommen, vielleicht auch, weil der Ort eher unbekannt ist: Er liegt in einer wirtschaftlich uninteressanten Gegend am Rand der Milchstraße.
Aber es ist dort schön. Ein Großteil des Planetens ist mit Wasser bedeckt, es gibt nur wenige Inseln und davon sind noch weniger wirklich bewohnbar. Genau genommen vier. Hetila, Rietsham, Don Jevoula und Unilia.
Pflanzen gibt es auch nach der Besiedllung wenig, Strände bedecken die meisten Inseln. Es hat Jahre gedauert, bis die ersten Gebäude gebaut werden konnten.
Und jetzt steh ich hier, im heruntergekommenen Raumhafen von Rietsham und warte darauf, das der (in diesen Gegenden der Galaxie noch übliche) Einweiser kommt. Es ist heiß. Sehr heiß. Die Kühlungsanlagen des Raumhafens sind schon lange kaputt und stottern nur noch vor sich hin.
Da kommt er: In die rote Uniform der Elitesoldaten des Imperiums gekleidet, schreitet er schnellen Schrittes auf mich zu: "Sie wollen genau was hier?"
Unter den Einweisern gibt es genau zwei Typen: Die Unhöflichen und die Freundlichen. Dieser hier gehört zur ersten Gruppe. Leider.
"Der Notantrieb meines Raumschiffes hat mich hier hin gebracht." "Geleka gehört noch zu den sicheren Planeten?" (Geleka ist dieser Planet, hoffentlich offensichtlich) "Offensichtlich schon. Kann aber auch sein, dass das System einfach nur veraltet ist. Können Sie mir vielleicht sagen, wo ich ein neues Schiff bekomme?" "Nein." "Tun sie's oder ich lasse hier eine Untersuchung einleiten." Ich blicke auf die Kühlungsanlagen. "Da würden Sie bestimmt die ein oder andere Verwarnung bekommen." "Hörn Se mal, hier ist schon lange keiner von oben mehr vorbeigekommen. Sollte dieser Planet wirklich noch nicht vergessen sein, dann zählt er wohl schon lange als unbewohnt. Das Letzte, was wir als offizielle Nachricht erhalten haben, war die Vereinigung der Union." "Ich kann dafür sorgen, dass doch mal jemand herkommt. Also, sagen Sie es mir oder ich kontaktiere die Verwaltung des Reiches." Er zögert einige Sekunden, dann gibt er nach. "Straße runter, dann links. Schwarze Fassade, Se könnens gar nicht verfehlen. Aber lassen Se sich nicht auf seine Erklärungen ein, die sind eh meist falsch. Holen Se sich das, was ihnen am Besten erscheint, nicht ihm."
Wer er ist, das sagt er mir nicht. Aber er ist ja auch schon in seine (offensichtlich gekühlte) Kabine zurückgegangen und liest weiter auf seinem Bildschirm.
Ich gehe also die Straße entlang und komme an eine Kreuzung. Links hat der Mann gesagt, also gehe ich links. Eine Sackgasse. Aber immerhin steht am Ende ein schwarzes Gebäude. Als ich es gerade betreten will, wechselt der Öffnungsbildschirm von "OFFEN" zu "GESCHLOSSEN".
Ich fluche leise und mache mich auf den Weg, vielleicht ein anderes Geschäft zu finden. Als ich ein paar hundert Meter weiter gehe, merke ich, wie sich die Straßen langsam füllen.
Die Menschen tragen merkwürdige Kleidung. Alte, ehrwürdige Kleider wechseln sich ab mit halbwegs modern wirkenden Anzügen.
Und da sehe ich auch schon einen Wolkenkratzer, der deutlich größer ist als alle anderen. Auf der Vorderseite prankt das neue Logo des Reiches: ein gelbes Dreieck mit roten Kreisen und einem großen, kyrillischen 'I' in der Mitte (für alle, die kyrillische Buchstaben nicht beherrschen: es sieht aus wie ein 'N').
So viel zu 'Hier ist schon lange mehr keiner vorbeigekommen".

Ansgar Jörg, 2. 12. 2016
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